Filamentmahlen bei 85A TPU im Dual-Gear-Extruder beheben
Wenn dein Dual-Gear-Extruder beim Drucken von ultraweichem 85A TPU das Filament zermahlt statt es sauber zu fördern, steckt dahinter fast immer eine Mischung aus drei Dingen: zu hoher Anpressdruck, falsches Retraction-Setup oder Reibung im Bowden-Schlauch. Hier zeige ich dir, wie du die Ursache Schritt für Schritt eingrenzt und dein Setup für weiches TPU in den Griff bekommst.
Warum mahlt der Extruder gerade bei 85A TPU so oft?
85A TPU zählt zu den weichsten Filamenten, die aktuell im Umlauf sind, spürbar weicher als die gängigen 95A-Varianten, die viele schon kennen. Diese Weichheit hat Konsequenzen:
- Das Material weicht unter Druck seitlich aus, statt sich richtig in die Zahnstruktur der Gears zu krallen
- Im PTFE-Schlauch oder in Führungskanälen staucht es sich leicht, anstatt gerade durchzulaufen
- Rückzugsbewegungen (Retractions) stauchen das Filament regelrecht, weil es zu nachgiebig ist, um Druck sofort weiterzugeben
Dual-Gear-Extruder bringen zwar mehr Grip-Fläche mit als Single-Gear-Systeme, aber genau das kann zum Problem werden: Bei falscher Einstellung drücken beide Zahnräder gleichzeitig auf das weiche Material, und genau dieser doppelte Druck ist oft der Auslöser fürs Mahlen.
Typische Anzeichen erkennen
Bevor du irgendwas an den Einstellungen änderst, lohnt sich ein genauer Blick auf die Symptome:
- Kerben oder Späne am Filament kurz vor dem Hotend-Eingang
- Klickendes oder knirschendes Geräusch am Extrudermotor
- Unterextrusion, obwohl der Motor sauber läuft
- Filament, das sich an der Grind-Stelle oval verformt, statt rund zu bleiben
Findest du eine abgeflachte, haarige oder löchrige Stelle am Filament, ist die Diagnose eigentlich klar: zu hoher Anpressdruck trifft auf zu weiches Material.
Schritt-für-Schritt-Lösung
1. Anpressdruck der Gears reduzieren
Die meisten Dual-Gear-Extruder, etwa BMG-Klone oder Orbiter-Systeme, haben eine einstellbare Spannschraube. Bei 85A TPU gilt:
- Spannung um 30 bis 50 % gegenüber deiner PLA-Einstellung reduzieren
- In kleinen Schritten nachjustieren, bis das Filament gerade noch sicher gegriffen wird, ohne sich zu verformen
2. Retraction komplett minimieren oder deaktivieren
Weiches TPU mag kaum Rückzug, weil es sich im Schlauch staucht, statt sich tatsächlich zu bewegen:
- Retraction-Distanz auf 0,5 bis 1 mm reduzieren (bei Direct-Drive)
- Bei Bowden-Setups: Retraction am besten ganz weglassen oder in der Slicer-Software auf “Combing”/“Avoid Crossing” umstellen, damit Retractions von vornherein seltener nötig sind
- Retraction-Geschwindigkeit deutlich senken, auf etwa 10 bis 20 mm/s
3. Druckgeschwindigkeit drosseln
85A TPU braucht schlicht Zeit, um sich zu stabilisieren:
- Druckgeschwindigkeit auf 15 bis 25 mm/s senken
- Beschleunigung sowie Jerk bzw. Junction Deviation reduzieren, damit keine ruckartigen Richtungswechsel das Material zusammenstauchen
4. Kurzer Förderweg statt langem Bowden-Schlauch
Wenn es irgendwie geht: auf Direct-Drive umsteigen oder den Bowden-Schlauch so kurz wie möglich halten. Je länger die Strecke zwischen Gear und Hotend, desto mehr Chancen hat das weiche Material, sich unterwegs zu stauchen oder zu knicken.
5. Filamentpfad auf Reibung prüfen
- PTFE-Schlauch auf Risse, Ablagerungen oder scharfe Kanten kontrollieren
- Spule sollte sich frei und ohne jeden Widerstand drehen
- Filamentführung, also Sensor und Rollen, auf zu engen Durchmesser checken. TPU braucht einfach mehr Spielraum als PLA oder PETG
6. Temperatur nicht unterschätzen
Ein zu kaltes Hotend erhöht den Gegendruck, und dann muss der Extruder stärker gegen das Material drücken:
- Düsentemperatur im oberen empfohlenen Bereich des Herstellers testen, meist zwischen 220 und 235 °C
- Bleibt der Rückstau bestehen, Temperatur in 5 °C-Schritten erhöhen
Praxisbeispiel
Ein Fall, der mir immer wieder begegnet: Jemand druckt mit einem BMG-Extruder und Standard-PLA-Spannung 85A TPU durch einen 50 cm langen Bowden-Schlauch. Das Ergebnis? Mahlspuren schon nach wenigen Zentimetern. Nach Reduzierung der Spannung um 40 %, kompletter Deaktivierung der Retraction und Absenkung der Geschwindigkeit auf 20 mm/s lief der Druck anschließend fehlerfrei durch, ohne ein einziges weiteres Problem.
Fazit
Filamentmahlen bei 85A TPU im Dual-Gear-Extruder ist in den seltensten Fällen ein Hardwaredefekt, sondern fast immer eine Frage der richtigen Einstellung. Weniger Anpressdruck, minimierte Retraction, niedrigere Geschwindigkeit und ein möglichst kurzer, reibungsarmer Filamentpfad lösen das Problem meistens zuverlässig. Am besten testest du die Anpassungen einzeln, dann siehst du genau, welcher Faktor bei deinem Drucker tatsächlich den größten Unterschied macht.